ImperfectVision.net

Über Imperfect Vision

Im Kulturbetrieb ist es üblich, künstlerische Arbeiten öffentlich zu zeigen, damit sie gesehen werden und ihnen dabei noch zusätzlichen Wert verliehen wird. Die Öffentlichkeit der Kunstausstellung ist daher immer eine Sache der Einstellung, ein exklusives Publikum aus Expert*innen ist oft wichtiger als die tatsächliche öffentliche Sichtbarkeit. Mit dem Ausbruch der Corona-Pandemie wurde diese Öffentlichkeit der Kulturbetriebe, insbesondere der Museen, Kunsthallen und -vereinen oder Galerien in Frage gestellt: Was heißt Ausstellen? Wo findet es statt, wann werden sie gezeigt und wer ist die (neue) Öffentlichkeit?

Im Rahmen der Muroswoche der Peter Behrens School of Arts an der Hochschule Düsseldorf hat eine Klasse von Student*innen in Zusammenarbeit mit Prof. Mareike Foecking, Nina Ditscheid und Dr. Jacob Birken in in die Geschichte der Ausstellungen geschaut. Es wurde nach alternativen Modellen gesucht, die vom heute üblichen Ausstellungsnormen abweichen und Kunst an anderen Orten oder in anderen gesellschaftlichen Kontexten vorstellen. Schließlich wurde ein kuratorisches Konzept entwickelt, welches unserer aktuellen Situation entspricht.

Imperfectvision.net ist eine Form der Ausstellung, die sich unabhängig vom materiellen Erlebnis der Ausstellungen macht und ihre Aura durch die digitale Essenz der Werke erzeugt. Unterschiedliche Positionen von Räumen, Körpern und Realitäten greifen Aktuelles aber auch Unveränderliches im Jahre 2020 auf und zeigen es direkt auf jedem Bildschirm mit Internetzugang.

– Instagram-Profil –

Arbeiten

Das Leben in der Einflugschneise — Eva Philippen

Immer dann, wenn sich etwas im Leben verändert pocht eine bestimmte Frage auf. Diese Frage danach, ob diese eine Veränderung nun auch das ganze Leben verändert. Möglichkeiten bieten Einschränkungen und Einschränkungen neue Möglichkeiten. In dem Film geht es um das Festhalten des Moments, wenn sich etwas verändert hat und die Angst vor Einschränkung und Stillstand größer ist, als der Moment des Erfolges über den Aktivismus der Veränderung. Spätestens seit Covid19 ist das Gefühl eingesperrt zu sein dem Großteil der Bevölkerung bekannt. Gerade das Öffnen nur einiger Grenzen und in Folge dessen das Ausschließen bestimmter Länder führt dazu, dass die Reisefreiheit in vielen Teilen Europas und der Welt unterschiedlich stark verteilt ist. Aber wie fühlt es sich an, wenn man sich selbst seiner Freiheit beraubt?

Mein Zimmer — Zahand Kakawand

Die Arbeit beschäftigt sich mit seiner Wohnung und der Frage „wie beeinflusst mich meine Wohnung? - wie wirkt sich Unordnung und Ordnung auf meine Gefühlswelt aus?“

Raum — Khalil Döhring

Die Arbeit untersucht er die Folgen der Verschiebung des Arbeitsplatzes. Khalil stellt den öffentlichen und privaten Raum gegenüber und fragt sich „Ab wann ist es der öffentliche oder private Raum?“ Und kann man das geografisch belegen?

Ashburn, Virginia is for Data Lovers — Eva Eilert

Das Suchergebnis einer Internetsuchmaschine ist eine durch einen Algorithmus kuratierte Auflistung von digital hinterlegten Informationen zu dem gesuchten Begriff. Über Verlinkungen zu Webseiten können diese Daten aufgerufen werden, welche auf Servern bereitgestellt werden. In den wenigsten Fällen liegt hierbei eine Eins-zu-Eins Zuordnung vor – die Daten sind auf einer Vielzahl von Servern hinterlegt und in einem ständigen Prozess der Bewegung.

Das Internet wird als dezentralisiertes Netzwerk bezeichnet. Dennoch gibt es Verdichtungen des weltweiten Datenverkehrs und der Datenspeicherung. Die geographische Konzentrierung von Datenzentren hat oftmals wirtschaftliche Gründe. Mit über 100 Datenzentren ist Ashburn, Virginia in den Vereinigten Staaten von Amerika ein solcher Ort.

Was ist weltweit am World Wide Web und wo sind die Informationen zu Ashburn, Virginia lokalisiert?

Filament — Julian Riggers

Mit seiner Arbeit erschafft sich Julian Riggers selber in einem digitalen Raum und verlässt, durch den nach der Ausstellung stattfindenden Versand, seinen privaten Raum. Durch ein Losverfahren, welches über die Mailadresse läuft, haben Sie die Möglichkeit, das 3D Model auf Spendenbasis zu erwerben.

Thank you for shopping — Verena Weber

Reihenweise Regale erstrahlen in bunten Farben. Immer mehr, immer größer, immer weiter. Online-Shops fassen Zehntausende von Artikeln. Popups bombardiert uns mit Angeboten, abgestimmt auf unser Kaufverhalten. Immer mehr Anbieter, immer mehr Produkte und immer mehr Angebote.

Ist uns bei jedem kauf die Herkunft des Produktes bekannt? immer mal wieder gibt es einen Aufschrei: Ausbeutung, Kinderarbeit und unzumutbare Produktionsbedingungen. bestimmte Produkte werden boy­kot­tie­rt und durch andere ersetzt.

Unsere Kaufentscheidung wird durch weitaus mehr Faktoren bestimmt. Das Verhältnis von Preis und Leistung ist wohl am ausschlaggebendsten. Zusätzlich werden Wir werden gelockt durch Schlagworte wie Fair, Nachhaltig, Innovativ, von Verfügbarkeit und Bedarf. viele Produkte profitieren von einem Hype, Influencer bringen uns zum kauf, Pseudo-Rezensionen suggerieren Qualität. Bestimmte Waren werden mit einem gewissen Status gleichgesetzt.

Wir haben eine so große Auswahl an Marken und Produkten – und dennoch gibt es immer wieder Unternehmen, die den Markt dominieren. Die Einen schaffen es offensichtlich, ihre Güter an die breite Masse zu verkaufen, Andere arbeiten indirekt über Sub-Unternehmen.

„Thank you for shopping“ soll eine kleine Analyse unseres Konsums sein. Haben wir alle einen individuellen Warenkorb oder überschneidet sich unsere Auswahl?

I dont know how to explain to you, that you should care about other people — Gabriela Kükelhahn

Die Videoarbeit ist ein Element der fortgeführten Arbeit "I don't know how to explain to you", die mehrere Kurzgeschichten visuell erzählt, welche von Emotionalität und Erinnerung aus Schwarzer Perspektive handelt. Das Gezeigte ist eine Extrahierung einer Arbeit, die zwischen dem 27. Mai 2020 und dem 29. Mai 2020 auf Instagram Live ausgestrahlt wurde und aus mehreren Teilen bestand. Die Plattform wurde gewählt um unmittelbare Konversationen zu suchen, über die Themen Care und Fear. Währenddessen entsprang gemeinsame Wissensgenerierung und Beobachtungen von einem Körper vor der Kamera. Care wird definiert als emotionale, lebenserhaltende Arbeit. Care zeigt sich oft leicht und unbedarft im Gegensatz zu Fear. Fear ist definiert als ein stiller, unsichtbarer Begleiter, den man gewohnt ist oder der vererbt wurde.

Es ist eine unausgesprochene Wahrheit, dass im deutschen Design- und Kunstkontext BIPoC rar gesäht sind, eine Auslese die beginnt bevor viele überhaupt erst einen Schulabschluss machen können. Denn was Wissen ist und wie Wissen weitergegeben und bewertet wird, wird zu diesem Zeitpunkt nicht aktiv und inklusiv von BIPoC mitgestaltet. Diese erdrückende Achse von Wissen, Macht und Körper findet früher ins Bewusstsein als die eigene Pubertät. Ein Zeitpunkt indem man sich über den eigenen toten Winkel bewusst wird.

Zu Erklären warum Menschen Aufmerksamkeit und Achtsamkeit (Care) auch für andere Menschen nutzen können ist eine emotionale Arbeit, die von Betroffenen stetig gefordert wird. In dieser Gesellschaft wird immer und immer wieder das Gleiche erklärt, nämlich warum Naturkatastrophen passieren, die BIPoCs nicht erfunden haben. Loop für Loop mit einem Echo des erlebten Schmerzes (Fear).

Care ist für die Bewältigung von Fear, essenziell.

Der neue deutsche Traum — Dominik de Marco

Die Arbeit kritisiert die Chancenungleichheit innerhalb unserer Gesellschaft. Ein durchsichtiger Regenschirm fungiert als „gläserne Decke“, auf die hinaufgeschaut wird. Wünsche, Träume und Visionen, welche auf der Innenseite des Schirms zu erkennen sind.

Homunculus — Marvin Hillebrand

Der Begriff Homunkulus bezeichnet den künstlichen geschaffenen Menschen. Vor dem Hintergrund dieser Künstlichkeit vereint die Skulptur zentrale Teile der menschlichen Sensorik (Fühlen, Sehen, Hören, Riechen, Schmecken) und setzt diese Aspekte der körperlichen Erfahrbarkeit in einen neuen, räumlichen Kontext. Die Anordnungen im dreidimensionalen Raum erzeugt die Topologie einer neu definierten Körperlichkeit, die vom Betrachter erforscht werden kann.

auto_lig — Jan Schmidt

politics - performance
image - spectacle
private - fiction
public - reality
konnotationen und implikationen verhandeln.
durch manipulation der schrift (ver-)wandeln sich die geschriebenen worte live.
der user verliert an kontrolle.
das geschriebene wort steht dem angezeigten gegenüber.
ihre jeweilige bedeutung wird im kontext eines neuen umfelds neu verhandelt.

Email: jan.s.b@icloud.com
Instagram: alphosee

Sortie de secours / Notausgang — Joël Zillgens

quotidien trompeur. méconnaissance des risques. impuissance face à l’ennui. perdition de Soi; perdition du Nous. hypocrisie permanente. cloître de paradigmes. Une question reste: où est la sortie?

Trügerischer Alltag. Unkenntnis der Risiken. Ohnmacht gegenüber der Langeweile. Verlust des Selbst; Verlust des Wir. ständige Scheinheiligkeit. Gefängnis der Paradigmen. Eine Frage bleibt: Wo ist der Ausgang?

Lehre & Organisation

Entstanden im Rahmen der Intra-Muros-Projektwoche 2020 an der Peter Behrens School of Arts im Fachgebiet Photographie mit Prof. Mareike Foecking, Nina Ditscheid & Dr. Jacob Birken.

– Organisation & Eröffnung –
Julian Riggers, Jan Schmidt, Verena Weber
DJ-Set von Alphosee

– Plakat –
Lilli Böseund Gabriela Kühnhardt-Alvarez

– Website –
Marc Kloubert